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Der Tarot

Spiegel und Wegweiser des Menschen

Die Möglichkeit, durch Symbole eine verborgene Wirklichkeit erkennbar zu machen und damit ein tieferes Verständnis des eigenen Schicksals und der eigenen Entwicklung zu erlangen, hat den Menschen seit Urzeiten fasziniert.

Jedes Volk und jeder Kulturkreis hat dabei im Laufe der Zeit seine eigenen Darstellungsweisen und Methoden entwickelt.

Der Tarot als abendländische Tradition der Wahrsagekunst ist aber noch mehr als ein Spiegel verborgener Realitäten, er ist vor allem eine exakte Beschreibung des inneren Weges, den jeder erwachende Mensch früher oder später zu gehen hat. Damit steht er gleichrangig neben den heiligen Schriften, Mythen, Märchen und Überlieferungen der Menschheit, die ebenfalls Landkarten des Weges des Menschen zu seinem eigenen Selbst und zu Gott sind. Im Gegensatz zu jenen Traditionen teilen sich die Weisheiten des Tarot nicht in Worten mit, sondern in einer Bildsprache, die Teil des uns allen gemeinsamen kollektiven Unterbewusstseins ist, wie C.G. Jung es genannt hat.

In der Hand eines erfahrenen Tarotdeuters können diese Karten entschleiert werden, und gleichen dann einem Spiegel, in dem wir sozusagen unser verborgenes Antlitz erkennen können. Dieses Antlitz offenbart nicht in erster Linie die Tatsachen unseres profanen Lebens, sondern vielmehr die Strukturen, Entwicklungen und Potentiale unseres geistigen Lebens innerhalb der göttlichen Ordnung. Je tiefer wir in seine Symbol- und Bildsprache eindringen, desto mehr enthüllen sich uns seine Geheimnisse.

Ein solcher Spiegel der höheren Wirklichkeit ist notwendig, wenn wir in unserem geistigen Leben Fortschritte machen wollen, weil die Illusionen der materiellen Welt und der feinstofflichen Ebenen uns immer wieder dazu verleiteten, den Mustern des alten Adams und der alten Eva nachzufolgen. Der russische Weisheitslehrer G. I. Gurdjeff sprach in diesem Zusammenhang davon, dass nur ein Schock diesen fatalen Automatismus außer Kraft setzten kann. Diese Schocks sind in unserem Leben oft genug die Schicksalsschläge und Enttäuschungen, die aber nur solange notwendig sind, solange wir sie nicht in ihrer tieferen Bedeutung verstanden haben. Schon wenn wir nur anfangen, den tieferen Sinn hinter diesen Ereignissen zu verstehen, bieten sich sofort Lösungen eines gnädigeren Schicksals an.

Hier kann ein bewusster Umgang mit dem Tarot eine unschätzbare Hilfe sein, weil es ein Angebot ist, durch Einsicht zu wachsen, anstatt aus Enttäuschungen zu lernen, was nicht automatisch funktioniert, wie wir alle wissen.

Besonders in den 22 Bildern der Großen Arkana (Geheimnis) des Tarot sind alle wichtigen Stationen auf dem geistigen Weg dargestellt, bis hin zum höchsten Bewusstsein, das einem Menschen auf dieser Erde möglich ist. Diese Bildsprache oder Archetypen finden wir auch in den Mythen und Märchen aller Kulturen und auch in der Symbolsprache unserer Träume wieder. Allerdings kann diese Sprache nicht so ohne weiteres von selbst erschlossen werden. Auch sie muss, wie das ABC, erst wieder erlernt werden. Dies kann nicht durch ein rein intellektuelles Lernen geschehen, sondern es ist das Wechselspiel zwischen erlebten Erfahrungen und der Kontemplation darüber im Spiegel eines geistigen Systems oder einer Lehre. Früher wurde diese Lehre oft durch einen spirituellen Meister weitergegebenen. Heute, an der Schwelle des neuen Zeitalters, erfolgt dies mehr und mehr auf der geistigen Ebene als eine Art von kollektiver Einweihung, durch das Eröffnen der höheren geistigen Sinne im Menschen, wie Imagination, Inspiration, Intuition und Illumination.

Unsere menschliche Existenz ist nach einer verborgenen göttlichen Ordnung eingerichtet. Wir haben zwar die Naturgesetze bis zu einem gewissen Grad entschlüsselt, aber die geistigen Gesetze des Lebens sind uns meist immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Das Leben gibt uns ständig Zeichen, aber ohne eine solche höhere Bildung gleichen wir oft genug Blinden, die achtlos an ihnen vorübergehen.

Der Tarot ist eine erstaunlich exakte Landkarte dieser Gesetze, er ist ein Geschenk der Götter an die Menschheit. Wir erkennen, dass das Leben nicht als Stolpern und Straucheln, nicht als Herumtappen im Zwielicht und nicht als eine Folge von Schicksalsschlägen gedacht ist, sondern es ist die stufenweise Entfaltung des menschlichen Potentials, welches das größte Wunder der gesamten Schöpfung überhaupt ist. Wenn der biblische Zeitzeuge im Aufblicken auf Jesus in einer plötzlichen Erleuchtung  „Ecce Homo!“ - „seht, welch Mensch!“ ausruft, so ruft er dies gleichzeitig für alle Zeiten hindurch jedem einzelnen Menschen zu, der jemals über diese Erde ging und gehen wird. So gewaltig ist dieses Potential in uns, das darauf wartet, entdeckt zu werden.

Der geschulte Umgang mit den Tarotkarten hat aber auch eine ganz alltäglich, praktische Bedeutung. Es kann eine große Hilfe sein an Schicksalskreuzungen, vor gefährlichen Abgründen oder scheinbar unüberwindlichen Hindernissen in unserem Leben, die entscheidenden Hinweise zu erhalten, um die Krise in einen Schritt nach vorne zu verwandeln. Solcherart im Bewusstsein geschult, erkennen wir mit der Zeit, dass nichts, aber auch gar nichts, zufällig ist, und alles eine tiefere Bedeutung hat. Das Leben selbst ist wie das große magische Weisheitsbuch, das eine Seite nach der anderen aufschlägt und uns jeden Tag neue Wunder, Erkenntnisse und Geschenke bringt.

Dieses Erwachen des Bewusstseins ist unsere gemeinsame Bestimmung und das erhabenste Ziel, nach dem wir alle aufgerufen sind zu streben. So wie es die östliche Philosophie seit Tausenden von Jahren lehrt: Sat—Chit—Ananda - ”Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit”. Die “Glückseligkeit” also, nach der jedes Lebewesen strebt, ist das Ergebnis der “Bewußtwerdung” unseres “Seins”. Wie die Raupe, die sich zum Schmetterling verwandelt. Der geschulte Umgang mit dem Tarot kann dafür der Schlüssel sein.

„Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben,
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die ewigen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.“  

Novalis

Copyright © 2008 Maximilian Schäfer